On Board

In einer kleinen Nussschale Richtung Süden segeln

Meine kleine, große Reise ohne Ende und richtiges Ziel.

 

Segeln, das wäre doch mal was. Ganz lange und ganz weit weg weg und einfach auf einem Boot leben. 

Hab ich mir so gedacht!

Aaaaaber, ohne segeln zu können ist ein eigenes Boot zu kaufen irgendwie dann doch Schwachsinn – auch wenn ich für meine verrückten Ideen mittlerweile bekannt bin (ich meine, ich lebe seit einigen Monaten in meinem Van), aber DAS ist mir dann doch etwas zu verrückt.

Zum Glück gibt es da Ben. Ben ist mit seinem Kumpel Hannes auf seinem Boot Marianne 5 Jahre um die Welt gesegelt.

Und naja, glücklicherweise hat er gerade nichts besseres zu tun, als mir das segeln beizubringen 😀

Außerdem arbeitet er hier und ich kann ihm ab und zu helfen – win win 🙂

Also wohne ich ab sofort auf seinem Boot (und ab und zu noch in meinem Van)

 

Unser Boot: 

Marianne, 1976 gebaut – damit ist sie genau doppelt so alt wie ich und hat schon die ganze Welt gesehen, worauf ich ein klein wenig neidisch bin um ehrlich zu sein.

Sie hat so ihre Macken, knarzt ordentlich an jeder Ecke und hat auch schon ein paar morsche Stellen, aber wie mir versichert wurde ist sie immer zuverlässig!

Marianne

Der Kapitän: 

5 Jahre ist Kapitän Ben mit dieser kleinen Nussschale gesegelt, von Papua-Neuguinea durch Asian, Afrika und America – in fact durch über 31 Länder bis hin nach Deutschland – na, dann wird der wohl schon wissen wie das geht mit dem segeln… Hoffe ich 😁

 

Oktober 2019

Eine Woche lang waren wir jetzt in der Bretagne und haben „Marianne“ klarschiff gemacht – naja oder eher Ben, der Kapitän.

Die Batterien mussten gewechselt werden, ein paar Löcher gestopft und die Bordtoilette repariert werden. Der Autopilot und die Bilgenpumpe mussten wieder ans laufen gebracht werden und alles ordentlich verschnürrt und verzurrt werden, für die nächste große Überfahrt.

Ich habe mich währenddessen am Interior zu schaffen gemacht. Das kann ich einfach am besten und da störe ich auch niemanden 🙂

 

Tag 1:

15.10.2019

Wir legen ab, doch eigentlich viel zu spät. Es gibt täglich nur eine Chance aus dem Hafen rauszufahren, nur einmal sind die Brücken auf.

Unter Zeitdruck legen wir ab, aber wir kommen nicht mit voller Geschwindigkeit voran – irgendwas blockiert die Schraube.

Direkt das erste Problem, das geht ja schon gut los! 😀

 

Eine Minute bevor die letzte Brücke schließt, sind wir durch.. Na das nenne ich mal Timing!

Wir legen an, Ben muss tauchen gehen und kratzt die schraube von Muscheln frei.

Na geht doch, weiter geht’s!

Wir fahren zur nächsten Bucht und bereiten das Boot ein letztes Mal auf die längere Fahrt vor: alles was nicht niet und nagelfest ist kommt weg und wird verstaut.

Alles nach vorne, da wo eigentlich meine Kajüte ist!

„Geschlafen wird ab jetzt draußen, auf den Bänken oder auf dem Boden“, heißt es. Ja nett 😀 und ich hatte mir alles so romantisch vorgestellt!

 

Tag 2:

Wir starten gegen 13 Uhr um den Golf von Morbihan zu verlassen. Fast mal wieder zu spät…

Wir sind quasi kurz vorm Ausgang und ich werde schon ganz schön nervös. Es ist stürmisch, die Strömung und der Wind sind gegen uns und ab und zu schlagen die Wellen so fest gegen das Boot, dass wir komplett nass werden. Das Boot legt sich von einer Seite auf die andere und irgendwann können wir nicht mehr richtig steuern.

Ben dreht ab. Wir gucken uns an und denken beide.. Na toll.

„Einmal versuchen wir es noch“. Wir drehen nochmal und merken schnell, dass wir sofort wieder die Kontrolle verlieren.

Puuuuh…

Wir legen in einer kleinen Bucht an und warten den Sturm ab.

4 Stunden später startet der nächste Versuch und leichter könnte es nicht sein! Perfekt – wir sind draußen und segeln endlich Richtung Süden.

 

 

Die erste Nacht, in der wir durchsegeln, ist ganz schön nervraubend. So richtig vertraue ich dem Boot noch nicht.. Ich wache ca alle 20 Minuten vom Lärm auf. Der Wind dreht sich allerdings auch alle paar Minuten und ist viel zu stark…

5 Uhr, wir haben das erste Mal konstanten Wind (segeln hart am Wind) und liegen jetzt so schräg wie es nur geht im Wasser, stetig auf der linken Seite.

Und endlich schlackert der Baum nicht die ganze Zeit und macht höllischen Lärm..

Der Wellengang macht mir ordentlich zu schaffen, mehr als sonst. Ich bin eigentlich nur am schlafen, esse und trinke 24h gar nichts.

Alle 15 Minuten klingelt Bens Wecker, so versichert er sich, ob wir den Kurs noch halten und checkt, dass uns auch keinen anderen Boote in die Quere kommen.

Erst denke ich, alle 15 Minuten?! Und was ist während den 15 Minuten in denen er nicht aufpasst und döst? 😱 Und dann denke ich, oh Gott der arme… Alle 15 Minuten wach. Puuuuh

Ich bin völlig fertig. Alles gewöhnungssache!

 

Tag 3:

Nach 24h machen wir den ersten Halt auf einer kleinen Insel, íle d’yeu.

Hier flüchten wir vor dem nächsten Sturm und warten auf das nächste gute Fenster, um endlich mit gutem Wind Richtung Spanien zu segeln.

 

Tag 5:

19.10.2019

Wir sind bereit zum überqueren der Biskaya, wie immer viel zu spät dran aber gut – das ist jetzt wohl so unser Ding, spät dran sein.

Und damit melde ich mich ab für mindestens die nächsten 3 Tage – 330 Meilen haben wir jetzt vor uns! Ich kann es mal wieder kaum erwarten, vor allem da wir mit perfektem Rückenwind segeln! Das sollte hoffentlich heißen, dass ich dieses Mal nicht wieder komplett ausgeknockt sein werde 🙂 

⛵🌊

 

 

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